Die Forschungsgruppe Advanced Information Systems and Technology (AIST)

Herwig Mayr, Juli 2018

Die Forschungsgruppe “Advanced Information Systems and Technology” der FH OÖ F&E GmbH in Hagenberg hieß lange nicht so wie der Fluss, der durch Hagenberg fließt. Eigentlich heißt sie so erst seit kurzem (2018). Aber geforscht wird in ihr bereits seit mehr als 20 Jahren.

In der Anfangszeit war die Gruppe natürlich sehr klein. Ein Name für die Gruppe war nicht nötig, da alle Mitglieder in einem Büro Platz hatten. Eher auf einem größeren Schreibtisch. Außerdem war diese Gruppe die Einzige in der damals „Forschung und Technologie-Entwicklung“ (FORTE) genannten Forschungsabteilung der FH OÖ in Hagenberg. 

Im nachfolgenden Überblick werden einige Highlights zur Illustration der vor allem inhaltlich sehr abwechslungsreichen Geschichte der Forschungsgruppe AIST beleuchtet. Weiters wird ein kurzer Abriss über die aktuellen Aktivitäten der Forschungsgruppe gegeben.

Aller Anfang ist Zufall

(1995-2002)
Das Projekt SEE-KID

Im Jahr 1995 verbrachte der damalige Studiengangsleiter des Diplomstudiengangs Software Engineering (SE) und derzeitiger Akademischer Leiter der FH Oberösterreich, Witold Jacak, einige Zeit in einem Krankenhaus in Linz. Gerüchten zufolge bei einer Kaffee- und Rauchpause kam er mit einem der Primare des Krankenhauses, Siegfried Priglinger, ins Gespräch, der eine Software für Simulation und Training von Schieloperationen bei Kindern suchte. Aus diesem Gespräch entwickelte sich eines der ersten Studienprojekte für den Studiengang Software Engineering, aus dem 1999 ein Forschungsprojekt („Software Engineering Environment for Knowledge-based Interactive Eye Motility Diagnostics“, SEE-KID) hervorging.

Dieses Forschungsprojekt war das erste im Rahmen des Studiengangs Software Engineering, für das ein bezahlter Forschungsmitarbeiter, Michael Buchberger – ein SE-Absolvent, angestellt wurde.

 

SEE-KID/SEE++: Erster Prototyp aus dem Jahre 1997 (Ergebnis eines Studienprojekts).

Fun Fact
Das gesamte Konzept zu SEE-KID wurde vom Autor gemeinsam mit Michael Buchberger während eines Mittagessens in der damaligen Studentenheimmensa auf einer Papierserviette skizziert. Auch die Akronyme „SEE-KID“ und später „SEE++“ entstanden auf diese Weise.

Nach der Hochwasserkatastrophe 2002 in Oberösterreich kam es vorübergehend zu substanziellen Kürzungen der Forschungsgelder seitens des Landes Oberösterreich wovon auch unsere Forschungsgruppe und insbesondere das Projekt SEE-KID betroffen waren. Das Projekt und die Mitarbeiter wechselten zur Upper Austrian Research und später zur RISC Software GmbH, wo das aus dem Projekt entstandene Produkt unter der Bezeichnung „SEE++“ (für InformatikerInnen naheliegend 😉) auch aktuell weiterentwickelt und weltweit vertrieben wird (www.see-kid.at).

Wir navigieren (uns in die Zukunft)

(2003 – 2008)
Virtueller Blindenhund

Im Rahmen der Forschungstätigkeit zur Schieloperation wurde ein enger Kontakt zum damaligen Leiter des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie der Ludwig-Maximilian-Universität München, Josef Zihl, aufgebaut, der sich intensiv mit Hirnschädigungen und damit verbundenen Sehstörungen (bis hin zur Blindheit) beschäftigte. Durch ihn entstand enger Kontakt zu Organisationen, die Blinde und schwer Sehbehinderte unterstützen, so auch zum Blinden- und Sehbehindertenverband in Linz.

Eine der dort betreuten Personen hatte engen Kontakt zur Fa. Intersport Austria, sodass in dieser Partnerkonstellation in unserer Forschungsgruppe ab 2003 in einem national geförderten Forschungsprojekt an einer Navigationssoftware für schwerst Sehbehinderte, dem „Virtuellen Blindenhund“, geforscht wurde. Aufruf und Steuerung von Software erfolgte über eine – damals neuartige – Anordnung von Farb- und Formsymbolen auf dem berührungsempfindlichen Display des mobilen Geräts, die in Anordnung, Anzahl und Farben angepasst werden konnten, um der jeweiligen Seheinschränkung gerecht zu werden.

Sowohl mobile Geräte (damals Mobile Digital Assistant – MDA – oder Personal Digital Assistant – PDA – genannt; Smartphones gab es noch lange nicht) als auch der Zugriff auf GPS-Daten waren erst seit kurzer Zeit möglich. Daher barg das Projekt nicht nur aus Softwaresicht, sondern auch aus Hardwaresicht enorme Herausforderungen.

Benutzerschnittstellen des Kommunikations- und des Navigationsmoduls auf Mobilgeräten.

Einsatz des Virtuellen Blindenhundes zur Navigation im Straßenverkehr.

Fun Fact
Im Rahmen des Forschungsprojekts versuchten wir, uns die Bedienung mobiler Geräte über in einem Raster angeordnete Symbole als Gebrauchsmuster schützen zu lassen. Leider war dies nicht möglich, sonst hätte die „Erfindung“ von Google- und Apple-Smartphones eine ganz andere Auswirkung auf die Forschungsgruppe sowie den Autor gehabt 😉.

Der „Virtuelle Blindenhund“ stellte zum Zeitpunkt seiner Entwicklung (2003 – 2006) eine bahnbrechende Neuerung in der Interaktion alter und/oder schwer sehbehinderter Menschen mit Computern dar und bildete die Grundlage für eine Reihe nachfolgender Forschungsprojekte der Forschungsgruppe AIST.

Im Zeitalter von Apples iOS und Googles Android-Betriebssystem für mobile Geräte sind alle Computeranwender mit der Steuerung per Finger bedienbarer Farbsymbole vertraut; im Rahmen der Entwicklung des Virtuellen Blindenhundes – also deutlich vor den angesprochenen Produkten – stellte dieses Konzept einen zentralen Hauptpunkt der Forschungstätigkeit dar und es wurde gezeigt, dass eine derartige Steuerung schwer sehbehinderten oder alten Personen eine zugängliche Bedienung moderner (mobiler) Kommunikationsgeräte erst ermöglicht.

Compass: Navigation im Sport- und Freizeitbereich

Bereits während des Projekts Virtueller Blindenhund wurden die Erfahrungen mit GPS-Tracking und Routenplanung in einem Projekt gemeinsam mit Intersport dazu genutzt, Sportarten wie Wandern, Radfahren etc. durch mobile Navigationsgeräte zu unterstützen und die Nutzer durch ein Belohnungssystem zu motivieren, sich mehr in der Natur zu bewegen. Die innovativste Neuerung aus Forschungssicht war die automatische Erstellung von Routengraphen aus einer Vielzahl von einzelnen, durch verschiedene Nutzer aufgezeichnete Tracks. Personen konnten sich diese „Wanderkarte“ auf ihr mobiles Gerät laden und während der Wanderung entscheiden, in welche Richtung sie bei sich kreuzenden Tracks weiterwandern wollten.

Projekt Compass: Aus mehreren aufgezeichneten GPS-Tracks entsteht eine „mobile Wanderkarte“.

Für den im Nachhinein lukrativsten Aspekt – der Gamification der persönlichen Fitness – kam das Projekt leider ein paar Jahre zu früh. Diese Idee wurde von Absolventen eines anderen Hagenberger Studiengangs etwas später – als Smartphones und insbesondere das iPhone mit seiner zahlungswilligeren Kundschaft bereits am Markt verfügbar waren – höchst erfolgreich kommerziell umgesetzt.

Übertragung in den Rallye-Bereich

Das in der Forschungsgruppe entwickelte GPS-Aufzeichnungs- und Überwachungssystem wurde zusätzlich zum Einsatz im Fitnessbereich (Fußgänger, Radfahrer) auch für Fahrzeuge angepasst und von 2004 – 2006 zur besseren Überwachung von Rallyefahrzeugen und raschen Ortung im Fall eines Unfalls eingesetzt.

Als interessanter Nebenaspekt konnten die Tracks später ausgewertet und von den Rallyefahrern zur Analyse und für Vergleichszwecke herangezogen werden.

Aufgezeichneter Track einer Test-Sonderprüfung der Jänner-Rallye. Insbesondere Geschwindigkeiten konnten sehr präzise gemessen werden.

Ein ehemaliger AIST-Mitarbeiter (und SE-Absolvent) beim Einbau unseres GPS-Trackers/Mobilgeräts in ein Rallyefahrzeug. Er hatte dazu in der Servicezone immer nur wenige Minuten Zeit.

Detailausschnitt des aufgezeichneten Tracks: Mit der Gegend Vertrauten wird auffallen, dass für versierte Lokalmatadore auch Teile des „Streckenrands“ befahrbar sind, die für andere reines Unterholz darstellen 😉.

Fun Fact

Auf Wunsch der Rallyefahrer wurden schnell gefahrene Passagen grün visualisiert und langsam gefahrene rot (statt umgekehrt). „Grüne“ Passagen wurden dadurch positiv besetzt.

Think Big: I-Navigate

Durch einen Kontakt zu Siemens wurde bei deren Tochter Siemens VDO in Regensburg das Interesse an der automatischen Routengraphenerstellung geweckt. Navigationssysteme waren damals stark von mit großem Aufwand aufbereiteten (proprietären) Kartendaten abhängig. Durch die Ergebnisse der vorangegangenen Projekte konnten in einem groß angelegten Forschungsprojekt die Datenstrukturen der gespeicherten Routengraphen der Siemens-Navigationssysteme so angepasst werden, dass mehrmals abgefahrene, nicht in der gespeicherten Routenkarte enthaltene Strecken, automatisch ins Navigationssystem übernommen werden konnten. Diese „selbst lernenden Navigationskarten“ konnten zusätzlich persönliche Präferenzen, verschiedene Fahrzeiten bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen u.dgl. automatisch erfassen und in die zukünftige Routenplanung einfließen lassen.

Automatische Ergänzen von Navigationskarten durch abgefahrene neue Strecken.

Fun Fact

Teile der Siemens-Navigationsabteilung in Eindhoven, die die Ergebnisse des I-Navigate-Projekts weiterentwickelten, wurden später an TomTom verkauft. Ein kleiner Teil der TomTom-„IQ-Routes“ stammt daher wahrscheinlich aus Hagenberg.

Ein neudes Modewort: "e-Health"

(2008 – 2013)

Die Vernetzung von Informationssystemen im Medizin- und Gesundheitsbereich schritt Mitte der Nullerjahre rasch voran. Konzepte wurden geschrieben, die österreichische Initiative für eine „Elektronische Gesundheitsakte“ gestartet (ELGA, ab 2010 durch eine GmbH sowie das grundlegende Gesetz unterstützt) und Europa- (epSOS) wie weltweit (Initiative Integrating the Healthcare Enterprise – IHE) Standardisierungsbestrebungen initiiert.

Fun Fact

Einer der beiden derzeitigen Geschäftsführer der österreichischen ELGA GmbH, Franz Leisch, ist SE (für Medizin)-Absolvent. Zusätzlich hat er Medizin studiert.

Daraus begründet wollte auch das Land OÖ das Thema besetzen (unter dem neuen Modewort „e-Health“). Da der stärker werdende Medizin-und Gesundheitsfokus der Forschungsgruppe einigermaßen passte (zusätzlich zu den GPS-Aufzeichnungen war begonnen worden, weitere Vitaldaten zu erfassen), wurde angeregt, „Flagge zu zeigen“ seitens der FH OÖ und unsere Forschungsgruppe erhielt erstmalig einen Namen: „e-Health – Integrierte Versorgung“. Damit war auch der inhaltliche Weg der nächsten Forschungsprojekte vorgezeichnet.

Seiner Zeit voraus: IHExplorer

Die aus den vorangegangenen Projekten gesammelte Erfahrung an Analyse und Visualisierung von Graphen konnte erfolgreich in den Medizin- und Gesundheitsbereich übertragen werden: Nach einem Treffen mehrerer im Gesundheitsbereich aktiver Personen, darunter Martin Tiani (Vertreter Österreichs in der IHE weltweit sowie in der EU-Initiative epSOS) und Wolfgang Hießl (e-Health-Beauftragter des Landes OÖ) wurde das national geförderte Projekt „IHExplorer“ gestartet, das die Aufbereitung, Visualisierung und Analyse von patientenbezogenen Informationsflüssen in Gesundheitseinrichtungen auf Basis IHE-konformen Datenaustauschs und definierter IHE-Profile zum Ziel hatte. Aus heutiger Sicht kann dieses Projekt als erstes Data Science-Projekt der Forschungsgruppe AIST bezeichnet werden. Dankenswerter Weise übernahm Josef Altmann (heute Leiter des FH-Studiengangs Kommunikation/Wissen/Medien, damals Professor für Data Engineering) die Leitung des Projekts IHExplorer.

Kollaborationsnetzwerk, generiert aus den IHE-Protokolldaten eines Behandlungsprozesses.

Die Ergebnisse waren höchst erfolgreich und wurden seitens der e-Health-Partner beeindruckt aufgenommen. Allerdings war die Umsetzung für konkrete, tägliche Abläufe bei Gesundheitsdiensteanbietern schwer. Obwohl viele Standards und Prozessbeschreibungen auf Papier existierten, sollte es Jahre dauern, bis diese so weit eingeführt und umgesetzt waren, dass die Ergebnisse von IHExplorer Nutzen stiftend angewendet werden konnten.

Die Zielbeschreibung des Projektantrags zu IHExplorer an die FFG aus dem Jahre 2010 verdeutlicht dies: „Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen setzen durchgängige, integrierte und auf Standards basierende medizinische Informationssysteme voraus, die Daten nicht nur abteilungsbezogen, sondern auch einrichtungsübergreifend und patientenorientiert entlang des Behandlungsprozesses bereitstellen. Eine Voraussetzung dafür ist die Nachvollziehbarkeit der Prozesse. Als Lösung wird ein Ansatz zur Visualisierung und Analyse von Transaktionen auf Basis von IHE vorgeschlagen und anhand einer prototypischen Implementierung vorgestellt. Die Ergebnisse werden bewertet und Nutzenpotenziale für die Forschung im e-Health-Umfeld im Allgemeinen und für IHE-konforme Anwendungen im Besonderen aufgezeigt.“ Dieser Text würde vermutlich heute noch als förderungswürdig durchgehen – das Projekt war definitiv (wieder einmal) seiner Zeit voraus.

Damals einfacher möglich: Austausch pflegebezogener Daten (e-Care / PIN)

Da im medizinischen Umfeld der standard-konforme Datenaustausch und die Analyse wegen fehlender Standardisierung und Abwarten auf den Aufbau von ELGA noch längere Zeit nicht möglich sein sollte, wurden die nächsten Projekte auf einem „Nebenschauplatz gestartet“. Pflegebezogene Daten waren insbesondere in Verbindung mit Krankenhausaufenthalten (Tagesaufnahmen, Ärztevisiten in Pflegeheimen etc.) ebenfalls für den Austausch relevant, die Vorschriften dafür aber einfacher zu erfüllen bzw. noch nicht existent (und konnten so durch ein Forschungsprojekt definiert werden).

In zwei aufeinanderfolgenden Projekten, „e-Care – Patientenorientierte Pflegeinformation“ und „PIN – Patientenbezogene, integrierte Versorgungs-Netzwerke“ wurden in enger Kooperation mit dem Campus Linz der FH OÖ (Ansprechpartner war Markus Lehner, der auch die Projektleitung über hatte) die Grundlagen geschaffen, häusliche Pflege und Gesundheitseinrichtungen elektronisch zu vernetzen und allen in der Pflege tätigen Fachkräften Zugriff auf aktuelle Patientendaten zu bieten.

Fun Fact

Zur regelmäßigen Erfassung der Vitaldaten wurden in Alten- und Pflegeheimen Kojen aufgestellt, um den Bewohnern beim Messvorgang Privatsphäre zu ermöglichen. In einem Heim wäre dies fast gescheitert, da die Bewohner fürchteten, dann keinen Platz mehr zu haben, um den Christbaum aufzustellen.

e-Care/PIN: Beteiligte Organisationen und verwendete Dokumentationssysteme.

Optimierte Kommunikationsprozesse nach der Einführung von e-Care.

Ab 2012 zeichnete sich ab, dass sich die österreichweite Einführung von ELGA (deutlich) verzögern würde. Einrichtungen und Unternehmen im Medizin- und Gesundheitsbereich zögerten zunehmend, im Bereich medizinischer Informationssysteme sowie deren Integration (Forschungs-)Geld in die Hand zu nehmen, unsere Forschungsgruppe „e-Health“, die wie alle anderen Forschungsgruppen der FH OÖ F&E-GmbH auf keinerlei Basisfinanzierung zurückgreifen kann, drohte finanziell zu „verhungern“.

In der damaligen Leitungsgruppe wurde daher 2013 beschlossen, stärker zu diversifizieren und den Begriff „e-Health“ eher (sehr) weit auszulegen. Ein paar Jahre war es der Running Gag in der Forschungsgruppe, bei jedem neu an Land gezogenen Forschungsprojekt einen e-Health-Konnex herzustellen, auch wenn dieser noch so sehr an den Haaren herbeigezogen war. Der damalige Leiter des Research Centers Hagenberg der FH OÖ F&E GmbH, Thomas Kern, kann ein Lied (vermutliche mehrere) davon singen.

e-Health kränkelt – Wo sonst gibt es Forschungsgeld?

(2013 – 2018)

Aktuell wird in vier Schwerpunkten geforscht, wovon zwei noch einen starken Bezug zu Medizin/Gesundheit aufweisen:

  1. Einsatz von Techniken der Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality,
  2. Innovationen im Radiologie-Bereich,
  3. Überwachung der (Bedienungs-)Sicherheit von Systemen,
  4. Data Science: Data Acquisition, Tracking, Visualisierung, Analyse, Forecasting.

Nachfolgend werden dazu beispielhafte Projekte skizziert, die in den letzten Jahren abgewickelt wurden bzw. derzeit abgewickelt werden.

VR/AR/MR-Technologien

Durch die Rückkehr von Gerald Zwettler (einem Absolventen von SE für Medizin) nach Hagenberg in die Bereiche Lehre und Forschung und die damit verbundene Verstärkung des Leitungsteams der Forschungsgruppe AIST können nun verstärkt Projekte beantragt und bearbeitet werden, die Methoden der Bildverarbeitung einsetzen, um VR/AR/MR-System zu verbessern bzw. breiter einsetzbar zu machen.

Beispielsweise werden Fahrtrainingssimulatoren um neuartige Eingabe- und Visualisierungskonzepte angereichert (realer PKW als Eingabegerät, VR-Simulation in Verbindung mit einer 5-Achs-Motionplattform), für Indoor-Anwendung gedachte Mixed Reality-Systeme (z.B. Microsoft HoloLens) für die Verwendung im Freien adaptiert (augmentierte Trainingsstrecken in Fahrtechnikzentren) oder Therapien im häuslichen Bereich ermöglicht, die früher nur unter Aufsicht von Fachpersonal durchgeführt werden konnten (virtuelle Spiegeltherapie für Menschen mit Lähmungserscheinungen).

Drive 4 Knowledge: Modernisierung von Simulatoren.

Drive 4 Knowledge: Virtueller Trainingssimulator mit Vitaldatenmessung.

Fun Fact

Für die virtuelle Trainingssimulation stand ein Jahr lang ein auf einem echten Formel 3-Monocoque basierender Simulator in den Räumen der Forschungsgruppe zur Verfügung, der mehrere Mitarbeiter zu unzähligen „freiwilligen Überstunden“ veranlasste.

Konzepte der Mixed Reality bilden eine wesentliche Basis für so genannte „Combined Games“, Brettspiele, die um mit Smartphones oder Smartglasses sichtbare und/oder änderbare Informationen und Abläufe ergänzt sind. In diesem Bereich hat sich für AIST eine höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem PIE-Lab, einer Forschungsgruppe der FH OÖ Hagenberg im Bereich moderner Medien, entwickelt, die mittlerweile zu mehreren Spin-off-Projekten geführt hat.

i2f Combined Game: Ein Forschungsprojekt mit PIE-Lab für Rudy Games im Brettspielbereich.

Innovative Bildgebende Informationssysteme

Mehr als 99% des Datenvolumens im Gesundheitsbereich wird zukünftig auf den Bild- und Videodatenaustausch entfallen. Diese Daten korrekt, zeiteffizient und kostengünstig zur richtigen Zeit am richtigen Ort den dafür autorisierten Personen zur Verfügung stellen zu können, eröffnet viele Forschungsthemen. Neue Standards wie z.B., HL7 Fast Healthcare Interoperability Ressources (FHIR) ermöglichen hocheffizienten Bilddatenaustausch, welcher z.B. für den reibungslosen Ablauf Medizinischer Boards essenziell ist, aber auch eine simultane Zweitbegutachtung während einer radiologischen Untersuchung ermöglicht.

WIRE und REPO: Zwei Projekte zur Verbesserung des Radiologieworkflows.

Emmanuel Helm, ein Mitglied des Leitungsteams der Forschungsgruppe AIST, ist durch seine Kompetenz als Berater der ELGA GmbH tätig, er und sein Kollege Andreas Schuler sind Vorstandmitglieder der DICOM Österreich, ihre Kollegin Barbara Traxler ist Vorstandsmitglied der HL7 Austria. Ein weiteres Leitungsteam-Mitglied, Oliver Krauss, ist gemeinsam mit Andreas Schuler weltweit auf HL7-Meetings unterwegs, um die relevanten Bereiche von FHIR so zu definieren bzw. anzupassen, dass in Zukunft ein noch besserer Bilddatenaustausch ermöglicht werden wird.

Verbesserung der Bedienungssicherheit

Bedienungssicherheit geht oft einher mit der Ermöglichung der Bedienung für Menschen mit Einschränkungen. In unserer Forschungsgruppe wurde z.B. mit einem Duschkabinenhersteller ein „Smart Shower“ entwickelt, der eine berührungslose Bedienung der Duschsteuerung ermöglicht, aber auch Parameter wie Wassertemperatur, Wassermenge, Duschdauer etc. überwacht und im vermuteten Unglücksfall Alarm auslösen kann. Ähnliche Konzepte werden in einer Reihe von Projekten mit dem Hersteller moderner Notrufsysteme für Aufzugsanlagen umgesetzt, ergänzt um die Möglichkeit der Alarmauslösung für z.B. taubstumme Aufzugsbenutzer. Durch die verfügbare Sensorik ist darüber hinaus eine prädiktive Wartung effizient und effektiv umsetzbar.

Data Science-Thematiken

Entlang des gesamten Data Science-Workflows ergaben und ergeben sich in letzter Zeit (bedingt durch die stärkere Präsenz des Themas auf Grund des Starts des Masterstudiengangs Data Science und Engineering im Herbst 2017) viele neue Projekte, von der Data Acquisition und Aufbereitung (z.B. Tracking von Wäschewagen und darin enthaltenen Kleidungsstücken für Großreinigungen), Analyse (Auswertung der Nutzung und des Effekts von Kundenbindungsprogrammen) über die Visualisierung (Betrieb von komplexen Aufzugsanlagen z.B. in großen Einkaufszentren) bis hin zu Machine-Learning-basierten Prognosesystemen (z.B. Erstellung geeigneter Speisefolgen und Speisepläne). Im Data Science-Forschungsbereich sind in den nächsten Jahren die volumenmäßig größten Steigerungen zu erwarten, da das Thema derzeit auf Grund der mangelnden ExpertInnen in vielen Unternehmen noch deutlich geringer bearbeitet wird als gewünscht.

Auf in neue Zeiten

(2018 - MAXINT)

Aus der Diversifizierung der Forschungsaktivitäten in den letzten Jahren ergab sich die Notwendigkeit der Umbenennung mit einer inhaltlich passenden Bezeichnung. Informationssysteme standen am Anfang der Gruppe und bilden noch immer die Klammer; Technologie am modernsten Stand (bzw. erst in naher Zukunft – hoffentlich – „reifende“ Technologie) ist dafür essenziell. Per 1. 1. 2018 wurde daher nach einstimmigen Beschluss des Leitungsteams beantragt (und vom Fakultätsrat genehmigt), die Forschungsgruppe auf „Advanced Information Systems and Technology“ (AIST) umzubenennen.

Die Forschungsgruppe AIST umfasst derzeit (Mitte 2018) gut 20 Mitglieder, davon ca. 10 Vollzeitäquivalente, die in er F&E GmbH angestellt sind. Das Leitungsteam umfasst 6 Personen, die alle Projektleitungs- und Kostenstellenverantwortung tragen.

Vier Mitglieder des Leitungsteams (Herwig Mayr, Andreas Schuler, Barbara Traxler und Gerald Zwettler) sind im Studienbetrieb angestellt. Alle Mitglieder arbeiten an ihrem Doktorat bzw. haben es bereits abgeschlossen. Alle Mitglieder (außer Herwig Mayr 😉) sind AbsolventInnen des Studiengangs Software Engineering (bzw. eines seiner „Derivate“).

Regelmäßig werden von der Forschungsgruppe Ausflüge, Schitage u. dgl. organisiert. Der letzte führte uns im Mai 2018 zum Flughafen Schwechat mit Besichtigung der Flugzeugwerft, dankenswerter Weise finanziert von unserem langjährigen Forschungspartner Thomas Peterseil, Inhaber der Fa. RealSim.

Vieles in Hagenberg folgt dem inoffiziellen Motto des Gründers der akademischen Seite von Hagenberg, Bruno Buchberger: „Wir machen alles, was Spaß macht und Geld bringt.“ Dies gilt insbesondere auch für die Forschungsgruppe AIST, und soll sie – samt notwendiger forscherischer Neugier und wissenschaftlicher Gründlichkeit – in die nächsten 25 Jahre tragen. Getreu diesem Motto bedanke ich mich bei allen WegbegleiterInnen in und um unsere Forschungsgruppe und wünsche allen auch für die Zukunft:

“Have fun!“